Szenarienworkshop

Szenarienworkshop in Linz

Workshop-Collage

Am 15. Jänner 2009 fand im Ursulinenhof in Linz der Workshop "Szenarien erneuerbarer Energiepotenziale" statt.

Das Projektteam mecca-consulting - Energy Economics Group - agrar plus - ÖIR stellte die ersten Zwischenergebnisse zu den Potenzialen erneuerbarer Energie in Österreich vor. Informationen zum Ablauf und Inhalt der Ergebnisspräsentation finden Sie zusammengefasst im Workshop-Handout.

Rund 40 Teilnehmer diskutierten intensiv über die Ergebnisse, vor allem aber über die mögliche zukünftige Entwicklung der Energieträger in Österreich.
Die - durchaus sehr spannenden Ergebnisse - sind Grundlage für unsere weitere Arbeit: Der Ermittlung der Potenziale für die Jahre 2012 und 2020. Wir möchten sie hier zusammenfassend vorstellen:

Conclusios des Regio Energy Szenarien-Workshops, 15.01.2009 in Linz
Hydrothermale Geothermie l Wasserkraft l Windkraft l Solarthermie l Photovoltaik l Wärmepumpen l Biomasse Forst l Biomasse Agrar

Hydrothermale Geothermie – warme Füße, aber in Kinderschuhen

Im Workshop stellte sich sehr schnell heraus, das die präsentierte Meinung der StudienautorInnen richtig war:
Hydrothermale Geothermie ist eine interessanter Energieträger mit viel Potenzial, aber wenig bis keinem öffentlichem Bewusstsein.

Im Vergleich zu anderen Ländern, etwa Bayern, fehlt in Österreich noch jegliche Förderpolitik oder Lobby, sowohl politisch als auch was den Arbeitspreis im Betrieb angeht. Das verschafft der Geothermischen Wärmeproduktion, im Kanon aller erneuerbaren Energieträger, klarerweise einen deutlichen Entwicklungsnachteil. Noch weniger entwickelt  ist (aus denselben Gründen)die geothermische Stromproduktion. Was Förderpolitik bewirken kann, hat man am deutlichsten am Boom der letzten Jahre bei Biomasse und Windkraft erlebt.

Im Zuge der Studie wurde vor allem die hydrothermale Geothermie erhoben, die Geothermie hat aber noch andere Varianten, zu welchen derzeit in Österreich noch gar keine überzeugenden Pilotanlagen existieren. Dazu gehören das In-situ Verfahren (OMV erforscht hier derzeit intensiv die Nutzungspotenziale aus stillgelegten Bohrlöchern) oder das Hot-dry-Rock-Verfahren, welches allerdings seismisch nicht ohne Risiko ist.

Ein wichtiger Faktor zukünftiger Anlagenzuwächse wird also die Abdeckung der hohen Tiefbohrkosten sowie ein geförderter Pumptarif (den es für Luft- oder Erdwärmepumpen seit Jahren gibt!) sein. Wenn diese Kosten im Betriebspreis abgebildet werden müssen, wird diese Energieform noch lange eher unwirtschaftlich bleiben. Passen muss aber auch die Abnehmerstruktur: Geothermie eignet sich besonders für die ganzjährige Warmwasserbereitung und in der Erweiterung bestehender Niedertemperaturnetze.

Zur Identifikation bestehender wie zukünftiger Standorte ist sowohl eine kluge Grundlagenforschung, als auch eine vorausschauende Raumplanung gefragt- indem z.B. Entwicklungsachsen, industrielle Großverbraucher oder zu verdichtende Siedlungsgebiete mit geothermischen Potenzialgebieten abgeglichen werden.

Wasserkraft

Die Nutzung der Wasserkraft und insbesondere der Kleinwasserkraft ist in Österreich auch aufgrund der großen Potenziale eine traditionelle Art der Energiebereitstellung. Ein starker Ausbau der Groß- u. Kleinwasserkraft erfolgte ab den frühen 1950er Jahren und erreichte sein Maximum Ende der 1970er bzw. Anfang der 1980er Jahre. Mit der Fertigstellung des Donaukraftwerks Freudenau wurde der vorerst letzte Standort für ein sehr großes Laufkraftwerk ausgebaut. In Zukunft wird das Hauptaugenmerk auf den Ausbau der Kleinwasserkraft und auf die Durchführung von Revitalisierungsprojekten gerichtet werden. Die österreichische Wasserkraft-Industrie verfügt über ein umfangreiches Know-how und kann diese Expertise beim Export von Anlagen in die ganze Welt verwerten. Bei Wasserkraftanlagen handelt es sich um eine ausgereifte Technologie, bei der die Weiterentwicklung heute im Bereich von Verbesserungsinnovationen stattfindet. Österreichs im EU Vergleich sehr hoher Anteil an erneuerbarer Energie im Energiemix ist ganz wesentlich durch die Produktionsanteile der Großwasserkraft geprägt. Der Ausbau des existierenden österreichischen Restpotenzials an Kleinwasserkraft wird nach Meinung der TeilnehmerInnen des Szenarien Workshops von der Gestaltung der Ökostromtarife und von den rechtlichen Rahmenbedingungen abhängen.

Pumpspeicheranlagen wurden von den WorkshopteilnehmerInnen positiver als allgemein üblich eingestuft, da diesen Anlagen im Bereich des Spitzenlastmanagements eine hohe Bedeutung beigemessen wird. Für die Zukunft wurde das Modell der dezentralen Smart grids befürwortet: (Klein)wasserkraft produziert dabei lokal maßgeschneidert im Verbund mit anderen erneuerbaren Energieformen. Hierbei könnten z.B. temporäre Wind-Überkapazitäten in Pumpspeicherkraftwerken eingesetzt werden. Den WorkshopteilnehmerInnen erscheint in der öffentlichen Diskussion unterbewertet, dass Wasserkraft im Direktvergleich zu fossilen Energieträgern nach wie vor eine CO2 freie Stromproduktion mit hoher Versorgungssicherheit bietet.

Bei den hemmenden Faktoren wurde das Prozedere der Anlagengenehmigung von den WorkshopteilnehmerInnen als zu restriktiv eingestuft. Hier gibt es den NIMBY Effekt (not-in-my-backyard): Wasserkraft ist gut, aber nicht am Fluss hinter meinem Haus. Die derzeitigen verbindlich zu erfüllenden Naturschutz- und Renaturierungsmaßnahmen erschweren die Erschließung neuer Standorte ganz erheblich, ebenso wie die mangelnde Akzeptanz der Bevölkerung. In diesem Kontext wurde angeregt, die derzeit gültige Wasserrahmenrichtlinie zugunsten besserer Bedingungen für die Wasserkraft weiter zu diskutieren.

Windkraft

Die Nutzung der Windkraft zur Stromerzeugung hat in Österreich in einem relativ kurzen Zeitraum von etwa zehn Jahren einen beispielgebenden Aufschwung genommen. Dieser Ausbau war eng mit günstigen förderpolitischen Rahmenbedingungen verbunden, die eine signifikante und direkte Auswirkung auf den Verlauf der Forcierung dieses Energieträgers zeigten. Im Rahmen des Workshops wurden die Einflussfaktoren für die Zukunft der Windenergie diskutiert, wobei sich schnell herausstellte, dass fast alles mit dem Wohl und Wehe der Förderkulisse und des Einspeisetarifs in Zusammenhang steht..
Dabei ist die Windkraft  (neben Wasserkraft und Biomasse) anderen erneuerbaren Energieträgern schon einen Schritt voraus, die Bewusstseinsbildung der Bevölkerung ist bei der Windkraft durch intensive Lobbyarbeit stärker verankert als anderswo, der Ausbau insbesondere in der Ostregion weit fortgeschritten; dennoch scheiden sich an zusätzlichen Anlagen in den Regionen nach wie vor die Geister („Florianiprinzip“).
Regio Energy fokussiert in seiner Potenzialmodellierung  eine regionale Perspektive, die in bisherigen Studien kaum behandelt wurde: den Bezirk. Dabei kann es allerdings nicht um die Identifizierung von Einzelstandorten gehen, sondern um eine regionale Differenzierung von Eignungs- und Ausschlusszonen. Die im Projekt herangezogenen Ausschlussparameter (z.B. Kategorien von Schutzgebieten) wurden von den ExpertInnen bestätigt. Die Grenze der wirtschaftlichen Nutzung  der Windkraft wurde im Workshop diskutiert, wobei auch diese stark vom Einspeisetarif abhängt. Eine wesentliche Herausforderung für die Zukunft liegt in der Nutzung effizienter Speichertechnologien. Die anwesenden ExpertInnen halten mittelfristig einen Ausbau der Windenergie auf 7.000 bis 10.000 GWh (derzeit: 2.000 GWh) für realistisch, damit könnten 10% des gesamten Strombedarfs des Landes gedeckt werden.
Deutlich wurde im Rahmen des Workshops auch, dass der Forschungsbedarf in Sachen Windkraft noch lange nicht gedeckt ist. Das  2009 startende Projekte „auwipot“ stellt einen Windatlas für Österreich mit einer Rasterweite von 100m und damit bisher nicht vorliegender Genauigkeit in Aussicht, der noch detailliertere Modellierungen ermöglichen wird.
Der Ball der zukünftigen Entwicklung liegt aber vor allem bei der österreichischen Energiepolitik, die durch ihre Maßnahmen und Instrumente die weitere Entwicklung des Energieträgers Windkraft am stärksten beeinflussen wird. Ebenfalls gefragt ist eine intelligente und nachhaltige Raumplanung, welche die Ausschlusszonen zwischen den Interessen des Naturschutzes, der Siedlungserweiterung und des Klimaschutzes abstimmen muss.

Solarthermie

Die Geburtsstunde der Solarthermie begann in den Garagen der Kollektor-Selbstbaugruppen Mitte der 1970er Jahre. Von diesen frühen Innovatoren wurden die solar thermischen Flachkollektoren noch in ihren Garagen mit selbst gebauten Apparaturen mühsam zusammengelötet. Über die Jahrzehnte entwickelte sich auf dieser Basis in Österreich eine hoch entwickelte und leistungsfähige Kollektorindustrie die von exzellenter Forschung und Entwicklung begleitet wird. Am Beginn der Technologiediffusion standen die solar thermische Brauchwassererwärmung und die Schwimmbaderwärmung im Einfamilienhausbereich im Mittelpunkt der Anwendungen. Heute werden mit der Kollektortechnologie zahlreiche Energiedienstleistungen in den Bereichen Raumwärme in Wohn- u. Servicegebäuden, Prozesswärme sowie Kühlung und Klimatisierung bereitgestellt.

Das zukünftige Potenzial der Solarthermie wird von den TeilnehmerInnen des Workshops nicht nur in der weiteren Diffusion etablierter Solarthermie-Anwendungen gesehen, sondern im Kontext mit der sich in Zukunft weiter verbessernden Energieeffizienz der Gebäude auch im Raumwärmebereich und bei den neuen Anwendungen im Prozesswärme- und Kühlungsbereich. Diffusionsfördernd wirken dabei das gute Image der Technologie in der Bevölkerung und der günstige energiepolitische Rahmen (anreizorientierte und normative Instrumente). Wie bei vielen anderen Technologien zur Nutzung Erneuerbarer auch, wird das Preisniveau und die Verfügbarkeit der fossilen Energieträger die zukünftige Diffusion der Solarthermie stark beeinflussen. Eine bundesweit einheitliche Förderung von Solaranlagen, welche regionale Randbedingungen mittels einiger wesentlicher Parameter berücksichtigt, würde nach Ansicht der TeilnehmerInnen ein günstiges Umfeld für die zukünftige Technologiediffusion darstellen.

Bislang diffusionshemmende Faktoren werden vor allem im systemtechnischen Bereich gesehen. Die Entwicklung von wirtschaftlich attraktiven Wärmespeichern mit hoher Wärmedichte (Stichwort “Faktor 8 – Speicher“) würde einen Technologiesprung für Solarsysteme bedeuten, welcher die Technologiediffusion sehr stark beschleunigen kann, da dann Solarsysteme für sehr viele Gebäude als vollwertige Heizsysteme ausgeführt werden könnten. Weitere diffusionshemmende Faktoren werden im Wettbewerb zu anderen Technologien, im niedrigen Preis fossiler Energieträger und in den nach wie vor hohen Investitionskosten für Solaranlagen gesehen.

Photovoltaik

Die Technologiediffusion der Photovoltaik setzte in Österreich in den frühen 1990er Jahren ein und wies einen geringen aber stetigen Anstieg auf. Im Jahr 2002 wurde durch den Anreiz des Ökostromtarifs ein starker Anstieg der Marktdiffusion hervorgerufen. Durch die Erreichung der Deckelung im Jahr 2004 wurde der Anreiz für neue Anlagen wieder deutlich reduziert, was einen Einbruch des Marktes auf das Niveau von 2000 bewirkte. Im Verhältnis zum gering entwickelten Inlandsmarkt weist die österreichische PV-Industrie sehr große Wachstumszahlen auf, wobei die entsprechenden Produkte exportiert werden. Hier sind vor allem die Technologien Wechselrichter, Einkapselungen und Nachführsysteme zu ne
nnen.

Diffusionsfördernde Faktoren werden von den WorkshopteilnehmerInnen vor allem in einem adäquaten Einspeisetarif gesehen, der einen intakten Inlandsmarkt im Hinblick auf den großen Stellenwert der österreichischen PV-Industrie ermöglicht. Langfristig basiert ein starker Exportmarkt immer auf einen intakten Inlandsmarkt. Weitere fördernde Faktoren werden in der verstärkten Nutzung von Elektroautos, in der Philosophie der dezentralen Energieautarkie sowie im allgemein steigenden Strombedarf gesehen. Ein Kipppunkt der Technologiediffusion (Marktdurchbruch) wird im allgemeinem bei einer stärkeren Kostendegression der PV-Module erwartet.

Der diffusionshemmende Faktor der Photovoltaik ist natürlich der Preis der Technologie. In diesem Bereich können bei manchen Systemkomponenten wie beispielsweise bei den Wechselrichtern in den vergangenen Jahren signifikante Preisreduktionen beobachtet werden, aber nicht im selben Ausmaß bei den Modulen. Weitere von den WorkshopteilnehmerInnen genannte hemmende Faktoren betreffen den Mangel an Fachkräften und bei Photovoltaikkraftwerken den Landschaftsschutz. Es wird die zurückhaltende und unstetige Förderpolitik in diesem Bereich kritisiert. Für eine kontinuierliche Entwicklung des Inlandsmarktes müsste nach Ansicht der WorkshopteilnehmerInnen eine langfristige bundesweit einheitliche Förderung von Photovoltaikanlagen installiert werden. Wichtig ist für Investoren in diesem Bereich die langfristige Planbarkeit der energiepolitischen Randbedingungen.

Wärmepumpen

Die Marktdiffusion der Wärmepumpentechnologie startete in Österreich gegen Ende der 1970er Jahre. Der darauf folgende erste Marktaufschwung war durch eine große Zahl von verkauften Brauchwasserwärmepumpen und wenigen Heizungswärmepumpen geprägt. Nach einem deutlichen Marktrückgang in den 1990er Jahren folgte ab dem Jahr 2000 ein neuerlicher starker Aufschwung, diesmal jedoch mit dem Schwerpunkt Heizungswärmepumpen. Der Hintergrund der Umstrukturierung und neuen Belebung des Marktes lag dabei an der technologischen Weiterentwicklung der Wärmepumpen, der Schulung der Installateure sowie auch an einer strukturellen Veränderung der Anwenderseite (höhere Gebäudeenergieeffizienz mit geringern Heizungs-Vorlauftemperaturen und damit höheren Jahresarbeitszahlen). Zusätzliche Anreize sind zurzeit in den meisten Bundesländern durch Förderungen in Form von Investitionszuschüssen gegeben. Die Möglichkeit, mit Wärmepumpen auch die Energiedienstleistung der Klimatisierung bereitstellen zu können, stellt einen mittelfristigen marktstrategischen Vorteil dar.

Diffusionsfördernde Faktoren wurden von den WorkshopteilnehmerInnen im Bereich der günstigen technisch/wirtschaftlichen Randbedingungen im Neubau, der Bereitstellung unterschiedlicher Energiedienstleistungen (Brauchwasser, Heizung, Klimatisierung) und in unterschiedlichen stromtariflichen Anreizen (Wärmepumpentarif) gesehen. Auch die Investitionszuschüsse stellen einen wesentlichen fördernden Faktor dar. Hohe Preise fossiler Energieträger (welche sich im österreichischen Strompreis nur gedämpft abbilden) werden von vielen WorkshopteilnehmerInnen ebenfalls als diffusionsfördernd gesehen.

Der zentrale hemmende Faktor ist durch den mit der Wärmepumpe verbundenen Stromverbrauch gegeben, da dieser den zentralen Angriffspunkt im Wettbewerb mit anderen erneuerbaren Energieträgern darstellt. Weitere hemmende Faktoren sind durch Schwierigkeiten beim Einsatz in urbanen Strukturen (Einschränkungen bei den Wärmequellensystemen) gegeben. Die Kosten der Altbausanierung, welche die praktische Sanierungsrate stark beschränkt, werden ebenfalls als Hemmnis betrachtet, da thermisch gut sanierte Gebäude ebenfalls potenzielle Einsatzgebiete von Wärmepumpen darstellen würden.

Biomasse - Forst

Holz als Energieträger begleitet den Menschen, seitdem er das Feuer entdeckt hat. Vor der fossilen Energierevolution war der Holzofen einer der wenigen Energieträger, der neben Wasser, Wind und Viehdung zur Verfügung gestanden war. Auch heute noch ist Holz vor allem in Entwicklungsländern und Schwellenländern der wichtigste Energieträger zum Kochen und Heizen. Nach dem zweiten Weltkrieg begann in Europa durch die Verfügbarkeit einfacher zu handhabenden und günstigeren Energieformen wie Heizöl und Erdgas der Abschwung. Sieht man in die Geschichte des Brennstoffeinsatzes, so ist ersichtlich, dass in Österreich der Brennstoffbedarf aus Holz von 1970 bis 1980 um 583 GWh auf 12.111 GWh (Energiebericht 2003 Wirtschaftsministerium) zurückgegangen ist. Danach ging es mit dem Holzenergiebedarf steil bergauf, so dass bis 2005 der Energieholzbedarf für Raumheizung, Fernwärme und KWK-Anlagen auf 14.000.000 Festmeter oder rund 26.500 GWh anstieg.

Die Workshopteilnehmer sehen vor allem die Preisentwicklung (Erhöhung) der fossilen Energieträger als fördernden Faktor. Daneben wird dem Mechanisierungsgrad sowie direkte Förderungen für Biomasseanlagen hohe Bedeutung zugemessen. Als weiterer fördernder Aspekt wird die Preisentwicklung der Koppelprodukte (Sägespäne, Sägerestholz steigende Preise) sowie eine ausgereifte Logistik (Holzente –Hackgutproduktion –Lagerung-Biomasseanlage) gesehen.

Als hemmende Faktoren wurden durch die Teilnehmer die Preisentwicklung der Koppelprodukte der Sägeindustrie genannt. Besonders bei einen Überangebot von Sägenebenprodukten fällt der Preis von Waldhackgut, da Großanlagen vor allen auf den ersteren, günstigeren Rohstoff zurückgreifen. Dadurch werden Investitionen in die Infrastruktur aufgeschoben beziehungsweise aus Kostengründen das Brennholz bei Durchforstungsarbeiten bzw. in der Endnutzung im Wald belassen. Auch der Strukturwandel der Sägeindustrie sowie der mangelnde Facharbeiterstand im Bereich der Forstarbeiter wurde als hemmend angesehen. Weitere hemmende Faktoren auf die energetische Nutzung des Forstes werden in der Entsiedelung der ländlichen Struktur (Aufgabe der Nutzung von Kleinwaldstrukturen) sowie den immer höheren Ansprüche im Bereich Umweltschutzes (Feinstaub-, NOx – Problematik) zugemessen.

Biomasse - Agrar

Energie aus nachwachsenden Rohstoffen ist eine der Möglichkeit fossile Energieträger zu substituieren. Durch die Verwendung von regional angebauten Nutzpflanzen ist es möglich, Energie für die Produktion von Strom, Treibstoff und/oder Wärme zu gewinnen. Dabei haben viele Studien gezeigt, dass die Produktion von Biogas den höchsten Flächennutzungsgrad aufweist.

Als besonders fördernder Faktor wird meist der (fossile) Energiepreis genannt. Bei steigendem Preis ergibt sich für nachwachsende Rohstoffe vom Acker gegenüber den fossilen Energieträgern ein Kostenvorteil (der unter den gegebenen Kostenstrukturen nicht möglich ist). Als weitere wichtige Faktoren werden geringe Lebensmittelpreise gesehen. Sinken die Erlöse des Landwirts für Nahrungsmittel, werden alternative Absatzwege attraktiv, dazu kommet, dass bei geringen Nahrungsmittelpreisen Diskussionen über ethische Aspekte eher hintan gehalten werden. Förderungen für die Produktion von Alternativenergie aus NAWAROs unterstützen die energetische Nutzung von Agrarprodukten ebenfalls. Auch eine Quotenregelung zwischen Nahrungsmittelproduktion und NAWAROS-Produktion wird als vorteilhaft angeführt. Eine eher untergeordnete Rolle wird dem Klimawandel zugestanden (infolge des CO2-Anstiegs in der Atmosphäre verbessert sich das Pflanzenwachstum sowie dem Bewusstwerden der breiten Bevölkerung, dass der Einsatz von NAWAROS eine Möglichkeit ist, gegen den Klimawandel anzugehen), es werden eher seine hemmenden Auswirkungen erwähnt (siehe unten).

Besonders hemmend für die energetische Nutzung von Agrarprodukten werden die Flächenkonkurrenz, die öffentliche Akzeptanz sowie die steigende Lebensmittelpreise angeführt. Besonders bei eingeschränktem Angebot und erhöhter Nachfrage steigen die Lebensmittelpreise, da die Anbauflächen für die Produktion von Ackerfrüchten als limitierender Faktor gilt. Steigende Preise im Nahrungsmittelbereich bringen aber die öffentliche Akzeptanz der NAWAROS-Produktion ins Schwanken. Weitere hemmende Faktoren werden im Naturschutz und im Klimawandel gesehen. Durch den Naturschutzaspekt wird das Flächenpotenzial eingeschränkt, der Klimawandel hingegen kann durch geringere Niederschläge in den Ackergebieten Österreichs zu Mindererträgen führen. Auch die Verschlechterung der Bodenqualität wird durch die Teilnehmer ein hemmender Aspekt attestiert. Dies wird dadurch argumentiert, dass durch eine Intensivierung der Anbauflächen und der Nutzung der gesamten Pflanzen eine Verarmung hinsichtlich der Nährstoffe und des organischen Anteils im Bodens zu beobachten ist. Dies gilt besonders dann, wenn nach der Energiegewinnung keine organische Substanz (wie bei Biogasgülle) auf den Boden aufgebracht wird.